Debatte zur künstlichen Befruchtung für alle in Frankreich

Ab heute beginnt die parlamentarische Debatte in Frankreich zum Thema künstliche Befruchtung für alle Frauen. Laut einer aktuellen Studie stimmen 60 Prozent der Franzosen der Reform zu.

Frankreich hat begonnen die bioethischen Gesetze des Landes zu aktualisieren und Themen wie, Euthanasie, Anonymität der Samenspender oder Operationen bei intersexuellen Neugeborenen zu überarbeiten. Eine große Debatte entstand bei dem Thema allen Frauen, unabhängig von ihrem Familienstand oder ihrer sexuellen Orientierung, den Zugang zur medizinisch unterstützten Fortpflanzung zu gewähren. 

In der EU verbieten noch immer neun Länder lesbischen Paaren oder alleinstehenden Frauen eine künstliche Befruchtung durchführen zu lassen. 

Nun soll heute in Frankreich darüber debattiert werden, ob dieses Recht allen Frauen gewährleistet wird und es scheint, dass die parlamentarische Mehrheit dem Gesetzesentwurf zustimmen wird.

In Deutschland ist es lesbischen Paaren und alleinstehenden Frauen nicht verboten eine künstliche Befruchtung durchführen zu lassen. Ein großes Problem ist allerdings die rechtlich ungeklärte Situation. Bislang haben viele Samenbanken lesbischen Paaren und alleinstehenden Frauen keine Samenspenden vermittelt. Das rechtliche Risiko war hierfür die Begründung, da bei alleinstehenden Frauen oder lesbischen Paaren das durch Samenspende gezeugte Kind bei der Geburt keinen rechtlichen Vater hat, denn anders als bei heterosexuellen Paaren kann die lesbische Partnerin das Kind nicht vor der Geburt anerkennen. Sie kann es lediglich später adoptieren, aber eine Zusage dafür ist nicht bindend. 

Auch die Empfehlungen der Bundesärztekammern sehen derzeit vor, dass Samenspenden nur an Paare vermittelt werden sollen, bei denen der Partner der Frau die Vaterschaft anerkennen wird. 

Vielleicht sollte sich Deutschland ein Beispiel an Frankreich nehmen und über eine klare Gesetzgebung nachdenken, die allen Frauen das Recht auf künstliche Befruchtung einräumt.

 

von Sadik Medar