Britischer Popstar Sam Smith fühlt sich zu gleichen Teilen als Frau und als Mann

Sam Smith möchte ab sofort nicht mehr mit dem männlichen Personalpronomen angesprochen werden und wünscht die genderneutrale Ansprache.

Bereits am Freitag twitterte der britische Popsänger Sam Smith, dass das englische Pronomen „he“ nicht seine Person beschreibt, sondern die Ansprache „they/them“. Smith sagte wörtlich: „Today is a good day, so here goes. I’ve decided I’am changing my pronouns to THEY/THEM after a lifetime of being at war with my gender I’ve decided to embrace myself  for who I am, inside and out.“

Das war der nächste Schritt, nachdem Smith sich bereits Anfang des Jahres in einem Interview als non-binär geoutet hat. Menschen die sich nicht in den Kategorien „Frau“ oder „Mann repräsentiert sehen, werden als non-binär oder genderqueer bezeichnet.

Anhand dieses Posts stellte sich für mich die Frage, inwieweit dies auch in Deutschland möglich wäre und ich stellte schnell fest, dass es da einige Schwierigkeiten gibt.

Als erstes: Die Sprache

Grundsätzlich sind die meisten Wörter im deutschen geschlechtsspezifisch. Während es im englischen beispielsweise das neutrale „the singer“ gibt, gibt es im Deutschen lediglich „der Sänger“ oder „die Sängerin“. Die Pluralform, also das „they“ im Englischen, kann im Deutschen ebenfalls nicht benutzt werden, da es identisch mit dem weiblichen Personalpronomen in der Einzahl ist. Einige deutsche non-binäre Personen benutzen das Personalpronomen „es“ oder „sie/er“, was andere wiederum als Beleidigung empfinden.

Es wird bereits an Universitäten in Deutschland über die Anpassung der Sprache diskutiert und geforscht, um geschlechtsneutrale Ausdrücke zu schaffen.

Als zweites: Das Gesetz

Bereits seit mehreren Jahren gibt es in Großbritannien das dritte Geschlecht. Personen werden hier nicht mehr nur mit Mr oder Mrs bezeichnet, sondern haben die Möglichkeit, sich mit der geschlechtsneutralen Anrede Mx (steht für „Mix“ oder „Max“) eintragen zu lassen. 

In Deutschland wurde nun im Oktober 2017 die Einführung eines dritten Geschlechts mit der Kategorie „divers“ beschlossen, was für große Freude bei non-binären Menschen führte. Allerdings hagelte es auch Kritik. Um sich nämlich als „divers“ eintragen lassen zu können, müssen intersexuelle Menschen ein ärztliches Gutachten als Beleg vorweisen. Dies widerspricht allerdings eindeutig dem sexuellen Selbstbestimmungsrecht und ist in einigen anderen Ländern, wie Dänemark oder Portugal, in denen die Eintragung des dritten Geschlechts ebenfalls möglich ist, nicht notwendig.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass lediglich für Menschen mit „Varianten der Geschlechtsentwicklung“ die Möglichkeit besteht, sich als „divers“ eintragen zu lassen. Somit wird nur der Personenkreis inkludiert, dessen Geschlechtsmerkmale, also zum Beispiel Chromosomen, Hormone und Genitalien nicht eindeutig ausgeprägt sind und sie somit über männliche und weibliche Merkmale verfügen. Somit wird ein Teil der intersexuellen und auch alle weiteren Menschen, die sich nicht der binären Geschlechterkonstellation zuordnen wollen (wie bspw. Trans*), ausgeschlossen.

Es wurde bereits ein Antrag von vier Bundesländern eingereicht, der darauf abzielt, dass allen Menschen, die sich einem anderen als dem eingetragenen Geschlecht oder keinem Geschlecht zugehörig fühlen, die Möglichkeit offen steht, sich im Personenstandsregister als „divers“ eintragen lassen zu können.

Deutschland hat also noch viel Arbeit vor sich. Die ersten Schritte wurden eingeleitet und man kann nur hoffen und wünschen, dass sich mehr Menschen wie Sam Smith trauen, offener und freier im Umgang mit ihrer Geschlechtsidentität zu werden.

 

von Sadik Medar