Abgeordnete in Uganda fordern die Einführung der Todesstrafe für gleichgeschlechtlichen Sex – eine Antwort  

Obwohl im Jahr 2014 das Verfassungsgericht Ugandas den Gesetzesentwurf, der „homosexuelle Akte“ mit der Todesstrafe ahnden sollte, als verfassungswidrig erklärte, fordern Parlamentsabgeordnete nun, den Gesetzentwurf erneut einzubringen. 

Während die ugandische Regierung den Vorstoß der Abgeordneten vorerst wohl befürwortete, gab sie nach harscher Kritik von Vertreter_innen von Entwicklungshilfeorganisationen bekannt, den Gesetzesentwurf nicht länger zu unterstützen.

Nach Ugandas Penal Code ist Sex zwischen zwei Männern seit 1984 strafbar, Sex zwischen zwei Frauen jedoch erst seit 2000. Wie in den meisten anderen afrikanischen Ländern, um genau zu sein 34 davon, ist Homosexualität in Uganda illegal und steht unter Strafe: momentan wird gleichgeschlechtlicher Sex mit lebenslänglichem Freiheitsentzug bestraft. 

Eine weit verbreitete Idee ist, dass Homosexualität „unafrikanisch“ ist und erst durch die Kolonialmächte ihren Weg auf den Kontinent fand. Dies ist selbstverständlich sowohl von Historiker_innen als auch von Anthropolog_innen widerlegt worden. Forscher_innen befassten sich mit den Bunyoro People und dem Königreich Buganda – mittlerweile Teil des modernen Ugandas – und kamen zu dem Schluss, dass gleichgeschlechtlicher Sex und Crossdressing vor dem Kolonialismus in Uganda nicht nur normal und sogar institutionalisiert war, sondern auch dass gerade erst durch die Kolonialmächte und den größer werdenden Einfluss der christlichen Religionen Homophobie und LGBT+-diskriminierende Gesetzgebung auf dem afrikanischen Kontinent Fuß fassten. 

Was die strafrechtliche Verfolgung und staatliche Diskriminierung von LGBT+ Personen in Uganda – in sich selbst schlimm genug – noch bestürzender macht, ist die Tatsache, dass ebendiese Personen häufig Opfer von körperlicher und sexueller Gewalt werden und demnach besonders schutzbedürftig sind.

Obwohl die zwischenmenschliche Gewalt, denen sich LGBT+ Personen in Uganda ausgesetzt sehen, oft selbst strafrechtliche Tatbestände darstellt, trauen sich die Opfer oft (berechtigterweise) nicht zur Polizei zu gehen, aus Furcht vor weiterer Gewalt und Repression. Allein in den letzten drei Monaten sind nach Angaben von Unterstützerorganisationen mindestens vier LGBT+ Aktivist_innen durch homophob motivierte Morde gestorben.

Insgesamt genießen queere Personen in den meisten Ländern Afrikas nur wenig bis gar keinen rechtlichen Schutz und sehen sich umgekehrt sogar noch strafrechtlichen Sanktionen ausgesetzt. Erst im Mai diesen Jahres wies der kenianische High Court eine Klage ab, die die Abschaffung der noch aus Kolonialzeiten bestehenden LGBT+-feindlichen Gesetze forderte.

Glücklicherweise gibt es auch Lichtblicke. So ist in Angola zum Beispiel seit Januar diesen Jahres gleichgeschlechtlicher Sex nicht mehr illegal.

Bis heute steht in fünf afrikanischen Ländern Homosexualität unter Todesstrafe. Es bleibt nur zu hoffen, dass mit Uganda nicht noch ein sechstes dazukommt.

 

von Felix Kröner